Robert Sedelmaier

Stationen meines Lebens

Meine Zeit steht in deinen Händen

Psalm 31,16

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 19. Oktober 1936 wurde ich in Reutlingen als zweites Kind meiner Eltern geboren; meine Eltern hatten 2 Jahre zuvor geheiratet. 

 

3 Jahre vor meiner Geburt begann der 2. Weltkrieg, es herrschte überall, auch bei uns, Entbehrung und wirtschaftliche Not. In den meisten Familien fehlten die Väter, sie waren im Krieg. Mein Vater war zu Hause, er war wegen einer Behinderung aus der Kindheit nicht eingezogen worden.

In der Neuapostolische Kirche Reutlingen wurde ich am 18.11.1936 getauft, am 5.6.1937 durch Apostel Schall versiegelt und am 11. März 1951 konfirmiert.

Neuapostolische Kirche, Reutlingen

 

Die Jahre bis zum Ende des 2. Weltkriegs verbrachte ich in der Familie wohl behütet, aber durch die Kriegsereignisse ständig bedroht in Reutlingen. Zu meiner ein Jahr älteren Schwester hatte ich auch Jahre später noch ein besonderes Verhältnis, geprägt durch die gemeinsamen Kindheitserlebnisse während der Kriegsjahre und den Erlebnissen in Luftschutzkellern und Bunkern; einige unserer Altersgenossen sind dabei auch ums Leben gekommen. Es waren harte und böse Zeiten, Nationalsozialismus, Krieg, und Lebensmittelmangel bestimmten das Leben und prägten auch unseren Alltag.

 

Von 1941 bis 1949 bekam ich noch weitere 4 Geschwister, wir waren also 6 Kinder.

Meine Schulzeit verbrachte ich in meiner Heimatstadt, Spielzeug kannten wir kaum. Unser Spielplatz waren die zerbombte Innenstadt und die Ruinen rings um unser Elternhaus.

Nach Kriegsende 1945 wichen die Bedrohungen aus der Luft anderen Nöten, Lebensmittel waren Mangelware. Wir, meine Schwester und ich, inzwischen die älteren Kinder, aber auch, getrennt von uns, mein Vater mussten deshalb zu Fuß oder mit seltenen Mitfahrgelegenheit auf die Alb, oder andere ländliche Gegenden um etwas Essbares zu ergattern.
Nach der Währungsreform (1948) änderten sich, zwar nur langsam, auch diese Verhältnisse. Ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen, in einem Schaufenster Bananen und Orangen gesehen zu haben. Es dauerte noch viele, viele Monate bis ich auch erfahren habe, wie sie schmecken.

Meine Schulzeit ging 1954 zu Ende und mir wurde angekündigt, jetzt beginne der Ernst des Lebens, als ob die Jahre zuvor nicht ernst genug gewesen wären.

Ich fand verschiedene Arbeitsstellen und konnte mit bescheidenem Verdienst in "DM" zum Lebensunterhalt beitragen und mir sogar aus einer Wehrmachtsuniform, die ich nur heimlich und unter Strafandrohung "organisieren" konnte, einen Mantel für die kalten Wintertage schneidern lassen.
Ein Hobbyfotograf  hat damals sogar ein Bild von mir gemacht, die Schuhe waren lange Zeit meine einzigen, sie waren das Geschenk meines Onkels, der sie lange Zeit getragen hatte und inzwischen Rentner war. 

 

 

Langsam entspannte sich auch die Arbeitsmarktlage, die Arbeitslosigkeit sank, der Wiederaufbau begann, später nannte man diese Phase "das Wirtschaftswunder".
Ich fand eine Lehrstelle als Kaufmann im Groß- und Einzelhandel bei einer Firma, die ihren Stammsitz in Bremen hatte und gerade in meiner Heimatstadt eine Zweigniederlassung gegründet hatte. Zum Ende meiner Lehrzeit durfte ich auch den Hauptsitz in Bremen kennenlernen. Ich fand Gefallen an der Stadt, der Nähe zum Hafen und der nahen Ostsee. Ich fand Freunde und lebte und arbeitete einige Jahre in Bremen und Lübeck. Zufällig (falls es Zufälle überhaupt gibt) erreichte mich ca. 1958 der Ruf eines Freundes, der in einer württembergischen Pflegeanstalt für Behinderte arbeitete. Dort gab es auch die erste evangelische Schule für Heilerziehungspflege, dort durchlief ich eine berufsbegleitende Ausbildung zum Heilerziehungspfleger und war danach über 40 Jahre mit großem Interesse im Bereich der Pflege und Erziehung Behinderter tätig. Mein letzter Einsatzort vor dem Eintritt in den Ruhestand war Weissach bei Leonberg. Dort leitete ich zusammen mit meiner Frau eine Lebensgemeinschaft für psychisch Kranke auf dem Gelände einer ehemaligen Ölmühle.

 

Ölmühle, Weissach, 1990

 

Pfingsten  1986,  NAK-Jugend  Bezirk  Stuttgart,  Ölmühle Weissach

 

Dort wohnte ich mit meiner Familie, die ich gerne hier vorstelle, denn ich habe in diesen 40 Jahren auch geheiratet und eine Familie gegründet. Sie ist der Mittelpunkt meines Lebens geworden.