Startseite
Prolog
Steckbrief
Interessen
Viva Bavaria
Stolpersteine
Bilderseite
Mein Himmel
Katzenliebe
Todesstrafe
Gästebuch
Anklagebank
Brennpunkte
Postkarten
Meine Lyrik
Kontaktseite
Informationen
Favoriten
WESE-Ticker
Terror

Zur Webcam
  

Brennpunkte - Das war es mir nicht wert

 

Ich erinnere mich noch sehr gut. Sie hatte schwarze Haare und sie trug einen knallroten BH.  Ja, so war es. Kann auch genau umgekehrt gewesen sein. Die Erinnerung ist blass geworden. Habe selten richtig hingeschaut.

50 Mark wollte sie von mir. 50 Mark für eine halbe Stunde Liebe. Kein guter Preis für etwas, was man sowieso nicht kaufen konnte. Wir haben lange verhandelt und tranken Whisky. Und als die Flasche leer war, da sind wir uns recht schnell einig geworden. Ich gab ihr 30 Mark und sie ist die ganze Nacht geblieben.

Und was soll ich Ihnen sagen? Möchten Sie wissen, welche Gefühle ich dabei hatte? Leider habe ich darüber nie nachgedacht. Es war wahrscheinlich eine gute Nacht, die ich für mein gutes Geld bekommen habe. Etwas anderes habe ich damals auch nicht erwartet. Mehr wollte ich nicht.

Am nächsten Morgen haben wir uns getrennt. Kein Blick zurück. Warum auch? Wir hatten uns nichts zu sagen. Wir gingen wieder unseren Weg, jeder für sich. Jeder allein. Ein paar Stunden Gemeinsamkeit konnten nichts verändern. Für mich waren es Stunden, die mich noch eine Spur einsamer gemacht haben. So ist das Leben. Ganz schön einfach. Und schön kompromisslos.

Ich hätte diese Nacht längst vergessen, weil ich alle Nächte vergessen habe, die mir nichts bedeuteten. Ja, so wäre es gewesen, wenn da nicht das Bild in der Zeitung gewesen wäre. Das Bild von der U-Bahn... Linie 6... Richtung Waldfriedhof.

Zwischen den Gleisen lagen die Reste eines Körpers. Man konnte ihn nicht mehr identifizieren. Der linke Schuh fehlte. Irgendwo fand man die Fetzen eines roten Büstenhalters.

Komisch, mir fallen immer solche Kleinigkeiten auf. Das macht mich traurig. Aber es macht mich auch glücklich. Man kann ganz gut leben, wenn man sich nicht für Einzelschicksale interessiert.

Oh nein, bitte nicht... Dankeschön... Stecken Sie ihr schmutziges Taschentuch wieder ein. Ich brauche es nicht. Ich werde nicht weinen. Ich lehne es ab, Ihnen meine Gefühle zu zeigen. Wie bitte? Sie wollen mich trösten? Das ist nett, das dürfen Sie natürlich. Geben Sie mir 30 Mark, damit ich Ihnen nicht ins Gesicht kotze.