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Brennpunkte - Meine Reise zu den Schweinen

 

Es gehört zu den Geheimnissen meines Lebens, dass ich mich ständig mit völlig überflüssigen Fragen  beschäftige. Erst kürzlich war es wieder so. Ich habe mir die Frage gestellt: Junge, wohin soll die Reise gehen?

Diese Frage hat mich derart angestrengt, dass ich vor Erschöpfung fast eingeschlafen wäre. Erst im allerletzten Augenblick konnte ich mein Gehirn daran hindern, etwas zu tun, was ich mir nicht gewünscht habe. Entweder habe ich mir die falschen Sachen gewünscht, oder ich besitze nicht das richtige Gehirn. Ist zwar ziemlich egal, aber auch ziemlich ungesund.

Kurz nach Mitternacht habe ich mein Sparschwein zertrümmert. Das Geld reichte leider nur für eine Notoperation. Zum Glück kann ich sehr eigensinnig sein. Ich habe auf eine Narkose verzichtet, weil das wesentlich billiger war. Zugegeben, es tat schon höllisch weh, aber das würde ich in der Öffentlichkeit kategorisch abstreiten. Schmerzen sind für mich sowieso Privatsache.

Die Mutter meiner Kinder hat sich über meine Schmerzen sehr gefreut. Ist mir inzwischen gleichgültig, ich habe diese Frau noch nie gemocht. Wenn ich genauer nachdenke, dann könnte ich sogar sagen, dass ich mich nie richtig für sie interessiert habe. Geliebt habe ich sie auf keinen Fall. Leider war ich damals nicht vorsichtig genug, sonst hätten meine Kinder eine ganz andere Mutter bekommen. Jetzt ist es zu spät dafür.

Meine Kinder sind trotzdem glücklich geworden, weil sie wenigstens einen guten Vater hatten. Zu meiner Notoperation haben mir alle gratuliert. Ein paar Liter Blut haben sie mir auch gespendet. Sie haben es mit der Post geschickt. Das war nicht sehr klug, aber wenigstens gut gemeint.

Ach so, ich wollte ja eine Reise machen. Das hätte ich fast vergessen. Wohin die Reise gehen sollte, das hatte ich relativ schnell geklärt. Ich wollte in ein Land reisen, wo es möglichst wenig Menschen gab. Ideal wäre, so dachte ich, wenn es dort überhaupt keine Menschen gäbe. Nur Blumen und Bäume. Und ein paar Tropfen Wasser. Und Sonne. Und Sterne. Und natürlich viele, viele Tiere. Am liebsten wären mir da Schweine gewesen.

Das Fräulein vom Reisebüro hat mir gesagt, dass es irgendwo eine einsame Insel gäbe, die genau meinen Vorstellungen entsprechen würde. Es gäbe dort sehr viel Sonne, sehr schöne Sterne und viele, viele Schweine. Menschen gäbe es dort sowieso nicht, keinen einzigen davon.  Das hat mir so gut gefallen, dass ich vor lauter Freude einen Purzelbaum machen wollte. Allerdings ist mir dann meine Notoperation eingefallen. Ich habe auf den Purzelbaum verzichtet und bin stattdessen in Tränen ausgebrochen.

Ich möchte mich bei dem Fräulein vom Reisebüro bedanken. Die Informationen waren alle richtig. Alles war da. Die Sterne, die Sonne, das Wasser. Auch die Schweine waren tatsächlich da. Und richtige  Menschen habe ich dort nicht angetroffen. Ich war sehr zufrieden mit dem kleinen Fräulein vom Reisebüro.

Gleich am ersten Abend bin ich zum  Strand gelaufen und habe mich in den Sand gelegt. Ich träumte mit offenen Augen. Der Wind streichelte mein Gesicht und die Abendsonne liebkoste meinen Körper. Ungefähr so habe ich mir früher den Himmel vorgestellt. Es hätte ein richtiges Paradies sein können, wenn.... ja wenn ich nicht plötzlich über die Mutter meiner Kinder gestolpert wäre.

Richtig verstehen kann ich das nicht. Dem Fräulein vom Reisebüro mache ich aber wirklich keinen Vorwurf. Alle meine Wünsche wurden ja erfüllt. Auch die Sache mit den Menschen. Vielleicht hätte ich dem Fräulein auch sagen sollen, dass die Mutter meiner Kinder ein Schwein ist.

Die Notoperation wäre also nicht notwendig gewesen. Hat sehr viel Geld gekostet. Tat auch noch höllisch weh. Und so bin ich eigentlich davon ausgegangen, dass mich kein Schwein erkennen würde.

Jetzt frage ich mich nur, ob das.... Oh nein....  Mein Gott, ständig stelle ich mir überflüssige Fragen. Verzeihung, aber das habe ich doch schon ganz am Anfang gesagt.