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Brennpunkte - Das Gift im Zwiebelkuchen

 

Es ist ein Samstag gewesen, ein Samstag im Oktober. Es war ein Tag, wie tausend andere Tage auch. Warum ich mich ausgerechnet an diesen Tag so gut erinnern kann, das liegt an der Philosophie des Zwiebelkuchens.

Die ganze Welt hatte sich an einem Tisch versammelt. Alle waren da, die Träumer, die Spinner, die Guten und die Bösen. Es war eine fröhliche Runde, die sich da eingefunden hatte. Zuletzt kamen die Unsichtbaren und setzten sich ebenfalls an den Tisch. Einer davon war ich, was ich allerdings erst viel später bemerkte. Meine Augen waren auf den Zwiebelkuchen gerichtet. Eine ungeheure Faszination erfasste mich.

Irgendwann habe ich mich gewundert, warum niemand mit mir sprechen wollte. Vermutlich ist mir in diesem Augenblick klar geworden, dass ich zu den unsichtbaren Gästen gehörte. Ich überlegte, was ich tun konnte. Und dann fasste ich einen tödlichen Entschluss.

Ich nahm das Gift aus meinem Herzen und mischte es in den Zwiebelkuchen. Zehn Minuten später waren alle tot. Die Hungrigen und die Satten waren ebenso tot, wie die Guten und die Bösen. Das Gift meines Herzens wirkte schnell und kompromisslos.

Natürlich war das ein Fehler von mir.  Jetzt war niemand mehr da, mit dem ich ein paar Worte wechseln konnte. Ich war allein am Tisch. Bevor ich traurig werden konnte ist mir eingefallen, dass ich ja jetzt den Zwiebelkuchen ganz für mich alleine hatte.

Herzhaft griff ich zu. Es war ein Vergnügen, mein eigenes Schmatzen zu hören. Eine fast grenzenlose Gier packte mich und ließ mich unvorsichtig werden. Viel zu spät ist mir eingefallen, dass ich den Zwiebelkuchen selbst vergiftet hatte. Und so kam es, wie es eben kommen musste, ich bin tot vom Stuhl gefallen. Ich hatte einfach keine Chance.

Ich bin wirklich kein böser Mensch. Und ich schreibe diese Geschichte auch nur deswegen auf, weil ich inzwischen begriffen habe, dass man in seinem Herzen kein Gift aufbewahren sollte.

Niemand sollte über diese Geschichte lachen. Auch Sie nicht, mein Herr! Sie mögen vielleicht wissen, wie gut ein Zwiebelkuchen schmeckt. Vielleicht wissen Sie sogar, was ein Tisch ist. Aber etwas wissen Sie leider nicht, wie es ist, wenn man wirklich tot ist.

Guten Appetit... Und denken Sie doch bitte an Ihr Gebiss, bevor Sie mit den Zähnen klappern.