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Die Gaskammer

Am 8. Februar 1924 wurde der gebürtige Chinese Gee John als erster Mensch der Welt in der Gaskammer von Carson City in Nevada hingerichtet. Ihm folgte am 21. Mai 1926 Stanko Jukich. Am 2. Juli 1930 mußte Robert H. White auf dem Stuhl der Gaskammer Platz nehmen. Dies war die erste Hinrichtung, die protokolliert wurde. Auf die Frage des Gefängnisdirektors nach seinem letzten Wunsch antwortete White: "Bitte geben Sie mir eine Gasmaske, etwas anderes kann ich unter diesen Umständen nicht brauchen." 

Die Hinrichtung begann um 4.36 Uhr morgens, das Gas wurde um 4.37 Uhr und 30 Sekunden in die Gaskammer gegeben. Robert H. White atmete um 4.38 Uhr das Gas tief ein und wurde daraufhin sofort bewußtlos. Bei dieser Hinrichtung waren 53 Zuschauer anwesend .

Unter den Zeugen war auch ein Besucher aus Kalifornien, der Direktor des Staatsgefängnisses von San Quentin James B. Holohan. Wieder in Kalifornien erzählte er Clinton T. Duffy, seinem damaligen Stellvertreter, seine Eindrücke der Exekution. "Der Delinquent atmet einmal tief ein und verliert daraufhin sofort das Bewußtsein. Nach der Hinrichtung erspart man sich die schrecklichen Verunreinigungen von Blut, Kot und Urin. Es ist die sauberste und schnellste Hinrichtung, die ich je gesehen habe".

In den darauffolgenden Jahren versuchte Holohan die Regierung von Kalifornien zu überzeugen, die Gaskammer auch in Kalifornien einzuführen. Als er in Pension ging, wurde er in das Parlament von Kalifornien gewählt. Unter seiner Federführung trat dann am 27. August 1937 ein neues Gesetz in Kraft, das als einzige gesetzliche Hinrichtung den Tod durch Gas vorsieht. Schon ein Jahr später wurde in San Quentin die Gaskammer eingebaut. Der Einbau war sehr kompliziert. Im Gefängnis wurde ein Arbeiter für die Präzisionsarbeit gesucht. Der wegen Einbruchs verurteilte Alfred Wells wurde ausgewählt, am Einbau mitzuarbeiten. Als Ende des Jahres die Gaskammer funktionsfertig war, verdankte man dies vor allem Alfred Wells, der alle Präzisionsarbeiten ausführte.

Vier Jahre nach der ersten Hinrichtung in der Gaskammer in San Quentin mußte einer der Miterbauer auf dem Stuhl in der Gaskammer Platz nehmen, und zwar Alfred Weels. Er hatte nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis im Jahre 1941 seinen Bruder, seine Schwägerin und eine Freundin der beiden erschossen.
Von 1938 bis 1967 starben 196 verurteile Gefangene im "Aquarium" von San Quentin.

Die Gaskammer besteht aus einer achteckigen stählernen Kammer. Der Durchmesser beträgt 2,70 Meter. Im Inneren der Kammer befinden sich 2 stählerne Stühle, unter welchen der Mechanismus für die Hinrichtung installiert ist. Bei Beginn der Exekution steigt das Gas unter dem Sitz durch die zahlreichen Löcher im Stuhl hindurch. Der obere Teil der Gaskammer besteht aus Panzerglas, durch welches die Zeugen der Hinrichtung beiwohnen. Wegen dieser Scheiben entstand im Gefängnis der Name "Aquarium", genauso wie der Ausspruch "Bitte tief durchatmen.

Der Delinquent wird einer tödlichen Menge Blausäure ausgesetzt. Beim Betätigen des Mechanismussees durch den Henker fallen Zyankalikapseln in einen Behälter mit Schwefelsäure. Bei der nun folgenden chemischen Reaktion dieser beiden Stoffe entsteht Blausäure, die in einem Zeitraum von 20 Sekunden bis hin zu mehreren Minuten tödlich wirkt. Das Gas gelangt über Mund und Nase, sowie über die Haut in den Körper, worauf im Körper lebenswichtige Stoffwechselprozesse unterbrochen werden. Das Opfer beginnt zu husten und ringt nach Luft. Es treten sofort Schwindel, Übelkeit, Atemnot und schwere Muskelkrämpfe auf. Der Delinquent erstickt innerlich. Vor der Hinrichtung bekommt der Todeskandidat noch einen guten Ratschlag mit auf seinen letzten Weg:  " Atmen Sie so tief wie möglich ein".

Nach der Vollstreckung bleibt der Hingerichtete noch ca. eine halbe Stunde in der Gaskammer, bevor das Gas abgesaugt und frische Luft in den Raum geblasen wird. Die restlichen Chemikalien werden mit Wasser verdünnt und in die Kanalisation gepumpt. Daraufhin wird die Kammer geöffnet. Der Raum und der Körper werden mit Ammoniak besprüht. Denn auch jetzt noch ist das Berühren des Giftes, was sich in Falten der Kleidung abgelagert hat lebensgefährlich. Der Tote wird nun in einen Plastiksack dem Bestatter übergeben, der diesen nicht mehr öffnet, da er sich sonst einer Vergiftung aussetzen würde.

1949 wurde der sehr schmächtige Schwarze Leandress Rily hingerichtet. Als die Hinrichtung beginnen sollte, befreite er sich aus den Fesseln und rannte in der Gaskammer hin und her. Dabei schlug er verzweifelt gegen die dicken Fensterscheiben. Deshalb wurde die Gaskammer wieder geöffnet, und vier Wärter überwältigten Rily und fesselten ihn wieder auf dem Stuhl in der Gaskammer. Dieses vollzog sich noch weitere zwei Mal, ehe man beim vierten Versuch das Gas nun in die Kammer strömen ließ.

Am 2. Mai 1960 wurde Caryl Chessman in der Gaskammer von San Quentin hingerichtet. Als das Gas aufstieg klingelte das Telefon. Es war die Nachricht, die Hinrichtung aufzuschieben. Der leitende Beamte entschied sich aber dafür weiterzumachen, weil die Hinrichtung zu weit fortgeschritten und soweit nicht mehr zu stoppen war.

Wäre Chessman noch zu retten gewesen, wenn man das Gas sofort abgesaugt hätte? Hätte der Henker mit einer Gasmaske in die Kammer gehen sollen?

Noch heute wird in den USA mit der Gaskammer hingerichtet.